LUMMAS NETZKOLUMNE BILDUNG

Während sich die Schulkinder gerade auf die Sommerferien freuen, setzen die US-Regierung und der Amazon-Konzern ein Signal im Bildungsbereich.

Mit Amazon Inspire wurde ein neues Angebot vorgestellt, mit dem Amazon und die US-Regierung frei verfügbare und offene Lehrmaterialien den Lehrern in den USA zur Verfügung stellen wollen.

Das ist ein Kracher. Denn die Kooperation mit Amazon baut Druck auf gegenüber den Schulverlagen in den USA. Diesen Druck wird die Branche auch hierzulande zu spüren bekommen.

Und dieser Druck ist längst überfällig. Die sogenannten Open Educational Ressources, also die frei verfügbaren und offenen Lehrmaterialien, zeigen ganz deutlich, was im Bildungsbereich möglich ist, wenn man endlich mal die Potentiale nutzen würde.

Lehrmaterialien werden in Deutschland immer noch von einigen wenigen Verlagen nach den Vorgaben der Bundesländer entwickelt und dann unter hohen Kosten zur Verfügung gestellt. Dennoch verbringen immer noch viele Lehrer Zeit am Kopierer, um Materialien für den Unterricht zur Verfügung zu stellen.

Wie absurd. Das ist alles noch so wie zu meiner Schulzeit und die war Anfang der 90er-Jahre vorbei.

Stattdessen ist doch klar, was wir brauchen, um allen Schülerinnen und Schülern den Zugang zu guten Bildungsmaterialien zu ermöglichen und den Lehrern zu helfen, besser zu unterrichten.

Die digitale Lehrmittelfreiheit muss kommen.

Dabei werden im Kern frei verfügbare und offene Lehrmaterialien zur Verfügung gestellt werden, die auch immer wieder von den Lehrern verbessert und aktualisiert werden.

Natürlich benötigen alle Schüler dann auch Tablets, das ist selbstverständlich, aber derzeit ebenso eine Utopie wie funktionierendes WLAN an den Schulen.

Dafür fehlt in Deutschland eine Plattform. Nun können die Schulverlage auf Amazon warten oder sich endlich als Branche bewegen, bevor sie den Übergang zur digitalen Lehrmittelfreiheit nicht mehr selbst gestalten können.

Der Reformstau in der Bildungspolitik ist irre – und das, obwohl landauf, landab alle Politiker immer wieder betonen, wie wichtig Bildung für unsere Gesellschaft doch sei.

Wir brauchen einen zeitgemäßen Zugang zu Lehrmaterialien – das kann nur die digitale Lehrmittelfreiheit sein und das wird nur passieren, wenn die Eltern mehr Druck auf die Bildungspolitik ausüben!

Die Schulverlage verdienen sich immer noch dumm und dusselig, während unsere Kinder Bücher zur Schule schleppen, anstatt interaktive Lehrmaterialien zu nutzen, die eine bessere Förderung des einzelnen Kindes ermöglichen.

 

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Nico Lumma lebt in Hamburg, ist COO des Next Media Accelerators. Er bloggt auf„lumma.de“ und ist eigentlich seit 1995 nicht mehr offline gewesen. Er ist Mitglied der Medien- und netzpolitischen Kommission des SPD-Parteivorstandes und Co-Vorsitzender des Vereins „D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt“.